Podiumsdiskussion

Kunst ist öffentlich!

v.l.: Johannes Kimstedt, Heike Gundermann, Brigitte Raabe, Michael Stephan, Michael Hübl, HAWOLI, Dr. Anke Haarmann, Dr. Christoph Behnke,  Foto: Hans Jürgen Wege
v.l.: Johannes Kimstedt, Heike Gundermann, Brigitte Raabe, Michael Stephan, Michael Hübl, HAWOLI, Dr. Anke Haarmann, Dr. Christoph Behnke, Foto: Hans Jürgen Wege
Presse
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Kunstverein Lüneburg und Kunstraum Tosterglope

Eingangsreferat: Michael Hübl zur Arbeit im öffentlichen Raum von Torben Ebbesen.

Sonntag, 23. Juni 2013, 11.00 Uhr im Heinrich-Heine-Haus

 

Teilnehmer/innen:

Dr. Christoph Behnke, Leuphana Universität Lüneburg

Dr. Anke Haarmann, Hamburg

HAWOLI, Künstler Neuenkirchen

Michael Hübl, Karlsruhe

Heike Gundermann, Stadtbaurätin der Stadt Lüneburg

Brigitte Raabe / Michael Stephan, Künstler Hamburg

Moderation: Johannes Kimstedt, Tosterglope


 

KUNSTRAUM TOSTERGLOPE hat in Kooperation mit KUNSTVEREIN LÜNEBURG einen ausgewiesenen Spezialisten für Kunst im öffentlichen Raum – Torben Ebbesen – eingeladen, der an beiden Orten unterschiedliche Schwerpunkte seines Schaffens zeigt: Skulpturen und Zeichnungen, Gedanken und Entwürfe. Zentrale Fragestellungen zur öffentlichen Kunst sollen unter den Bedingungen vor Ort diskutiert werden.

Insbesondere in Lüneburg wird derzeit wieder vermehrt die kritische Sicht auf den öffentlichen Stadtraum mit seiner „Kunst am Bau“ und den Denkmalen und Brunnen fokussiert. Das Thema scheint geradezu im öffentlichen Raum zu liegen. Sowohl die begleitenden Vermittlungsformate AMBULANZ und „Zwei Fliegen“ als auch die geplante Podiumsdiskussion, die im Übrigen von der Stadtverwaltung ausdrücklich gewünscht ist, sollen versuchen, das Thema auch im Kunstvereinskontext kritisch zu behandeln. Damit soll der neu belebte Lüneburger Kunstverein stärkere Verantwortung in Fragen der kulturellen Öffentlichkeit übernehmen.

Im ländlichen Raum wird die Fragestellung in den meisten Fällen nicht nachhaltig behandelt. Das KUNSTRAUM-Team bedauert diese Lücke und bemüht sich, an einigen Stellen ein öffentliches Bewusstsein zu provozieren. Hier spielt AMBULANZ- Kunstvermittlung eine große Rolle. Die bisher geleisteten öffentlichen Interventionen, die mit SchülerInnen durchgeführt wurden, haben durchaus Spuren hinterlassen.

Die geplante Doppelausstellung soll das Phänomen der künstlerischen Pläne und Verwerfungen beleuchten, die häufig als Erklärung für die Stadtraum- oder überhaupt Öffentlichkeitsutopien genannt werden. Anhand dieser Einsichten in künstlerische Strategien kann die kritische Haltung der Öffentlichkeit gegenüber „Kunst am Bau“ untersucht und diskutiert werden. Die begleitende Podiumsdiskussion soll dies unterstützen. J.K.

 

Kurator der Ausstellung Michael Hübl: 

Der Künstler Torben Ebbesen gehört zu den profiliertesten Künstlern der neuen dänischen Kunst. Er war einer der maßgeblichen Initiatoren und Gründer der Gruppe

‚Ny Abstraktion‘, die sich Anfang der 1980er-Jahre in Kopenhagen mit dem Ziel konstituierte, Impulse der konkreten und konstruktiven Kunst aufzugreifen und im Sinne gegenwartsnaher Reflexionen zu erweitern, in die vor allem philosophische und ethische Fragen einfließen. Wichtig ist Ebbesen in diesem Zusammenhang der Austausch mit Fachleuten anderer Disziplinen; hier nehmen der Philosoph Arno Victor Nielsen und der Architekturtheoretiker Henrik Reeh eine besondere Stellung ein. Neben einem expliziten Interesse an historischen Gartenanlagen (Jægerspris, DK, Schwetzingen, D) hat für Ebbesen die Auseinandersetzung mit grundlegenden Themen der menschlichen Existenz wie „künstliches Leben“, „Physik/ Metaphysik“ oder „Tod“ herausragende Bedeutung, wie nicht zuletzt seine Ausstellung ‚Tale til himlen‘ (Ansprache an den Himmel, Viborg und Sorø, 2004) zeigte.

1986 vertrat Ebbesen Dänemark auf der Biennale di Venezia und präsentierte im dänischen Pavillon eine Einzelausstellung. In Deutschland ist der Künstler vor allem durch Arbeiten im öffentlichen Raum bekannt, die er unter anderem für die Universitäten Karlsruhe und Tübingen verwirklichte. Besondere Beachtung fand seine Arbeit ‚Fuchs schaut Skulptur an‘ (Tuttlingen 1988), in der er Prinzipien einer klaren, formstrengen Abstraktion mit semantisch vielschichtigen narrativen Elementen kombinierte und damit neue Möglichkeiten eines unmittelbaren Zugangs zur Kunst eröffnete.

Gerade den öffentlichen Raum versteht Ebbesen als Ort, der eine solche direkte Auseinandersetzung nicht nur erlaubt, sondern erfordert, weil hier die Kunst unabhängig von einer kunstspezifischen, mithin im eigentlichen Wortsinn ex-klusiven Institution (Museum, Galerie) auftritt. Das Kunstwerk übernimmt die Funktion eines Akteurs, der im öffentlichen Diskurs eine bestimmte Aussage zur Debatte stellt. Folglich wird der Ort der künstlerischen Intervention zur Agora, zu einem Platz, an dem Menschen durch die das Werk des Künstlers zur Erörterung von Fragen aufgefordert werden, die für sie und das Gemeinwesen relevant sind. Ebbesen misst gerade diesem Zusammenhang in seiner Arbeit erhöhte Bedeutung bei, indem er bei der Entwicklung ortsspezifischer Skulpturen insbesondere die historischen, architektonischen, aber auch soziologischen Aspekte des jeweiligen Standortes in die Konzeption des Werks mit einbezieht.

 

Die Ausstellung wird gefördert von 

Das Ausstellungsbegleitende Kunst-Vermittlungsformat ZWEI FLIEGEN wir gefördert von der
Bürgerstiftung Lüneburg