Waren Sie 1984 Gründungsmitglied des Kunstvereins?
Meine Frau und ich wir sind 1988 dem Verein beigetreten. Damals waren die Ausstellungen noch im Museum und nicht im Heine-Haus. Das Museum sah damals ganz anders aus, der Altbau hatte eine große Ausstellungshalle. Und dann gab es in der Grapengießerstraße dieses Möbelgeschäft, Becker, das im Obergeschoss einen Ausstellungsraum hatte. Ich glaube, auch der Kunstverein hat dort damals Ausstellungen gezeigt. Da erschien auch Prominenz, ich erinnere mich vor allem an den Maler Johannes Grützke, der damals sehr bekannt war.
Warum sind Sie damals dem Kunstverein beigetreten?
Ich bin tatsächlich in sämtlichen Kulturvereinen der Stadt Mitglied! Ich finde, wer in einer Kleinstadt lebt, kann auch etwas für die Allgemeinheit tun. Aktiv bin ich allerdings nur im Kunstverein, und bei den Literaten. Ich bin aus Kunstinteresse eingetreten, aus Interesse daran, dass so etwas wie der Kunstverein überhaupt am Leben bleibt. Ich zehre selber von den schönen Ausstellungen und wollte nicht bloß Besucher sein, sondern mehr tun.
Sie haben ja viele, viele Wechsel im Vorstand und unter den Mitgliedern mitgemacht. Wie Sie vorhin schon andeutet haben: Wenn sich der Vorstand ändert, ändert sich auch der ganze Kreis so ein bisschen. Die Rituale ändern sich, das Programm ändert sich, es treten Mitglieder aus, andere treten ein. Sie haben ja sicher viele solche Wechsel miterlebt?
Also, auffälligsten war es, als Sie kamen, Frau Schoop. Der Wechsel zwischen Ihrem Vorgänger und ihnen war ziemlich abrupt. Wir hatten bis dahin ganz bewusst Sammlungen populärer Kunst und zum Beispiel auch Karikaturisten ausgestellt, um Publikum anzulocken. Also nicht nur diejenigen, die meinen, etwas von Kunst zu verstehen, sondern auch die, die den Namen irgendwo gehört hatten und dann einfach mal reingeschaut haben. Das war im Heine-Haus natürlich einfacher. Ich habe auch immer mal wieder ein Bild erworben, von denen, die dort ausgestellt wurden, das würde mir heute bei Ihnen, bei ihrer Art, Ausstellungen zu machen, kaum in den Sinn kommen. Es wäre auch etwas schwierig – Ich stelle mir zum Beispiel eine Videoinstallation vor, die schaut man sich einmal an und dann vielleicht nochmal, wenn Gäste kommen. Aber es war in der Tat immer so, dass mit den Vorsitzenden auch der Stil gewechselt und sich vieles geändert hat. In der Vergangenheit haben nicht die Vorsitzenden das Programm gestaltet, sondern es gab einen Programmausschuss. In der Regel waren das drei Leuten von der Leitung, die dann dafür sorgten, dass das Programm lief.
Sind Ihnen Ausstellungen in Erinnerung geblieben, wo Sie sagen, das war unvergesslich?
Mir hat sich die Videoinstallation »Ophelia« von Maike Redecker auf jeden Fall eingeprägt. Es gab damals vom Kunstverein ja auch Ausstellungen in der Lindenstraße bei der Avacon. Das ging mir dann allerdings ein bisschen zu durcheinander. Also, ich brauche etwas Bildhaftes, damit mein Interesse geweckt wird oder einen anderen Impuls. Und dann gab es natürlich immer noch die Konkurrenz durch die großen Ausstellungen in Hamburg.
Besuchen Sie auch jetzt noch Ausstellungen in Hamburg?
Früher war ich häufig in Hamburg. Mit den Ausstellungen der Klassiker im Bucerius Kunst Forum wurde sehr viel für die Erinnerungswerte getan. Und auch in der Hamburger Kunsthalle hat sich ein Besuch immer gelohnt. Jetzt sind die Zeiten, wo ich jeden Monat irgendwo hinfahre, leider vorbei.
Schauen Sie in Lüneburg auch andere Ausstellungen zum Beispiel vom BBK im Heine-Haus oder im Museum?
Ich mache das nicht zielgerichtet, sondern gelegentlich aufgrund anderer Anlässe, weil ich häufig bei den zwei literarischen Vereinen zu Gast bin. Bei der Gelegenheit schaue ich auch mal, was gerade für eine Ausstellung zu sehen ist. Und nach dem Umbau des Museums sind dort zwar Ausstellungsräume, aber ich kann mich nicht an Kunstausstellungen erinnern. Früher, als meine Frau noch lebte, sind wir häufiger mal zum Kunstverein Uelzen gefahren. Dort verfolgte man einen ganz anderen Ansatz und es wurde auch viel von eigenen Mitgliedern gezeigt, die selbst Künstler waren. Das gab es hier früher auch - aber es war nicht immer von Vorteil.
Wir probieren jetzt häufiger einen interaktiven Ansatz aus und versuchen, einfach mehr auf die Besucher:innen zuzugehen –
was halten Sie davon?
Interaktiv ist natürlich ein Schlagwort, mit dem ich nicht so wirklich viel anfangen kann. Ich halte das so: Interaktiv ist der Besucher eigentlich immer, indem er in bestimmter Weise reagiert oder bestimmte Auffassungen hat. Das kann von Gleichgültigkeit bis zu Begeisterung reichen. Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich herkomme, weil ich Mitglied bin, weil ich hier Leute treffen und Kunst sehen kann.
Haben Sie jemals überlegt, aus irgendeinem Grund doch aus dem Verein auszutreten?
Nein, das ist ja das Merkwürdige: Ich bin in viele Vereine eingetreten und bleibe dabei – obwohl ich die Mitgliedschaft oft nicht mehr benutze. Nein, ich glaube, da müsste man mich schon rausschmeißen!
Man arbeitet mit einem Verein ja an einem Profil und hat einen bestimmten Stil. Wenn eine Nachfolge gewählt wird, müssen die Mitglieder natürlich auch diese Veränderungen mittragen und aushalten …
Das ist vielleicht auch eine Frage des Engagements. Ich als Mitglied bin neugierig, das ist mein wesentlicher Impetus, ich bin immer neugierig, welche Richtung die jeweilige künstlerische Leitung einschlägt. Und nur weil einer es nicht so macht, wie ich es für besser oder schöner halte, reagiere ich doch nicht mit Verärgerung oder Rückzug! Ich zitiere da immer meinen geliebten Bertolt Brecht. »Es geht auch anders. Doch so geht es auch.« In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weitere erfolgreiche Jahre.
Das Interview führten Angela Schoop, Hanna Zeyen und Pia C. Dittmer