
Ein Dossier des Kunstvereins Lüneburg über jahrzehntelange, ehrenamtliche Kulturarbeit, gemeinsame Ausstellungsmacherei, das richtige Leben im falschen und die Freude. Mit Gastbeiträgen von Freund:innen, Bekannten und Mitgliedern.
Nach nun über 40 Jahren Kunstverein Lüneburg ist es an der Zeit, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie sich unter wechselhaften Voraussetzungen und auf der Grundlage gemeinschaftlichen Engagements ein Raum für Kunst betreiben lässt. Dazu haben wir, das aktuelle Team des Kunstvereins Lüneburg, uns durch 40 Jahre Archiv gegraben, das wir zum Teil erst noch zusammensuchen und als solches anlegen mussten. Wir haben im lokalen Pressearchiv Dokumente gesammelt, sämtliche Sitzungsprotokolle der Vereinsgeschichte gelesen, mit ehemaligen Beteiligten und langjährigen Mitgliedern gesprochen, Kooperationspartner:innen, befreundete Künstler:innen, Mitarbeitende und Geistesverwandte um Beiträge gebeten und versucht, aus der gesammelten Ausstellungsgrafik seit 1984 kuratorische Handschriften zu lesen. Der Kunstverein Lüneburg ist weder als akademisches Projekt gestartet, noch als Selbstausstellungsverein von Künstler:innen, sondern aus einem Zusammenschluss kunstinteressierter Bewohner:innen der Stadt. Darunter waren sicher auch einige Künstler:innen, der Zweck des Vereins war aber von Anfang an, überhaupt einen Raum für Kunst in der Stadt zu etablieren, der regionale, überregionale und internationale Positionen zeigt. Aus unserer Beschäftigung mit dieser Geschichte wurde auch eine Beschäftigung mit allgemeinen Fragen der Organisation von nichtkommerziellen Kunstorten, ehrenamtlicher Tätigkeit, Verausgabung, Vereinnahmung, Realitäten und Idealen. Das Begriffspaar »Arbeit Kunstverein« ist eigentlich ein Begriffstrio: Arbeit, Kunst und Verein. Darin steckt auch ein Trio von Fragen: Was tut man, wofür und wie? Diese drei Fragen führen unweigerlich zur vierten: Warum das alles? Die Antwort auf diese vierte hat uns weniger interessiert als die Antworten auf die ersten drei. Trotzdem begleitet uns das »warum« in unserer Arbeit ständig, es taucht also in unserem Dossier vor allem implizit auf. Die kulturpolitischen und finanziellen Herausforderungen werden zahlreicher, die Öffentlichkeiten verändern sich rasant. Wir möchten den Blick auf die konkrete Organisationspraxis und ihre Voraussetzungen richten. Sprechen wir also über das Machen.
Redaktion: Max Weinland, Angela Schoop, Pia C. Dittmer, Hanna Zeyen
Das Archiv des Kunstvereins in seiner vorläufigen Form: 40 Kartons – Anzahl steigend – einige Sammelmappen, Raumpläne und ein altes Schild (Datum unbekannt). Recherchiert, zusammengetragen und sortiert von Pia C. Dittmer, Angela Schoop und Max Weinland.
Mitwirkende:
Lana Bartusch
ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Innovation Communities der Leuphana Universität Lüneburg. Sie studierte Digitale Medien, Philosophie und Kulturwissenschaften. In ihrer Forschung befasst sie sich mit selbstorganisierten Kunst- und Kulturräumen und deren Formen und Praktiken der Organisation.
Katja Bustorff
ist freie Texterin, Autorin, Diplom-Literaturübersetzerin und seit langem Mitglied im Kunstverein Lüneburg.
Prof. Dr. Boukje Cnossen
Boukje Cnossen ist Professorin für Entrepreneurship, Organisation und Kultur an der Leuphana Universität Lüneburg. Ihre Forschung beschäftigt sich mit »organizing practices« in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Als Kunstkritikerin und Kulturjournalistin für mehrere nationale Zeitungen und internationale Kunstzeitschriften hat sie Erfahrungen im Kulturbereich gesammelt, die ihre Lehre und Forschung nach wie vor beeinflussen.
Pia C. Dittmer
studiert den kulturwissenschaftlichen Master »Kritik der Gegenwart« an der Leuphana Universität mit den Schwerpunkten »Künste, Theorie, Geschichte«, arbeitet in der Kunstvermittlung und leitet und begleitet Workshops im Kollektiv »punctum«. Pia ist seit 2022 im Kunstverein Lüneburg tätig, kümmert sich vor allem um das Archiv, hilft bei der Konzeption und Koordination von Ausstellungen und unterstützt den Vorstand.
Esther Horn
ist Künstlerin, Kuratorin und Autorin. Sie hat in Münster Kunst studiert und dort auch unterrichtet. Ihre Arbeit umfasst Malerei, Zeichnung, installative Wandmalerei und Animation. Sie hat zusammen mit Christian Heilig den Kunstraum montanaberlin gegründet und betrieben. In ihrer Forschung hat sie sich intensiv mit dem Frühwerk Pablo Picassos befasst.
Sven Nommensen
Dr. Sven Nommensen leitet die Abteilung Museumspädagogik am Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig und hat zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Kunst an Museen und Kunstvereinen kuratiert. Er leitet seit 2005 den Kunstverein Buchholz.
Angela Schoop
leitet seit 2013 den Kunstverein Lüneburg. Nach einer Ausbildung in der Druckerei studierte sie in Hamburg Grafische Gestaltung und Illustration. In Berlin fand sie in der Freien Kunstschule „Atelier Rheinstraße“ KünstlerInnen, mit denen sie gemeinsam in Kreuzberg eine Selbsthilfegalerie und später eine Ateliergemeinschaft im Wedding gründete. Sie zeigte ihre Arbeiten in diversen Einzel- und Gruppenausstellungen und ist seit 1988 Mitglied im Berufsverband Bildender KünstlerInnen. 2005 erhielt sie den Dr. Hedwig-Meyn-Kulturpreis der Hansestadt Lüneburg. 2009-2010 nahm sie am Studienprogramm EduKult der Universität Hildesheim: Kuratorische Praxis und Ausstellungsmanagement teil. Angela Schoop arbeitet als Grafikdesignerin vor allem für Kunst- und Kultureinrichtungen und KünstlerInnen.
Max Weinland
arbeitet als freiberuflicher Grafikdesigner und Schriftgestalter in Lüneburg, lehrt von Zeit zu Zeit Typografie und Designtheorie, ist in linken Zusammenhängen aktiv und schreibt über Arbeit, Politik und Gestaltung. Er hat Bildende Kunst mit dem Schwerpunkt Typografie an der HFBK Hamburg studiert. Max ist seit 2020 Mitglied des Kunstvereins Lüneburg und dort hauptsächlich verantwortlich für das Grafikdesign, entwickelt aber auch das Ausstellungsprogramm mit, schreibt Texte und konzipiert und gestaltet Kunstpublikationen.
Hanna Zeyen
studiert Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität. Seit 2021 ist sie Mitglied im Kunstverein Lüneburg und beteiligt sich in verschiedenen Bereichen der Vereinsarbeit. 2023 wurde sie von der Deutschen Ameisenschutzwarte (DASW) zur Ameisenhegerin ausgebildet.