1. Vorsitzender und künstlerische Leitung von 2004 bis 2012
Wie bist Du zum Vorsitz des Kunstvereins gekommen?
Deine Vorgängerin war Frau Schäfers, richtig?
Ja, das war meine Vorgängerin, und ich glaube, sie hatte mich angesprochen. Ich war damals noch im Verein der Kunstfreunde Bardowick tätig. Bei Frau Himmelmann habe ich viel gelernt. Wir sind auch heute noch recht gut miteinander verbunden.
Als Frau Schäfers auf mich zukam, war mir vom ersten Moment an klar, dass ich nach Lüneburg tendiere. Ich habe mich nicht wirklich beworben und es gab auch keine Mitbewerber. So bin ich dann Vorsitzender des Kunstvereins geworden – ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse.
Warst Du denn schon Mitglied im Kunstverein?
Nein, das wurde ich daraufhin erst. Mein Ansatz war von vornherein, dass ich da weitermachen wollte, wo Frau Schäfers aufgehört hatte. Weil sich das bewährt hat, dachte ich. Zumal ich dann auch erst bemerkt habe, wie schmal das Budget ist und dass eigentlich auch gar nicht viel anderes möglich ist. Genau in dieser Spur bin ich dann also weitergefahren.
Wie hast Du das Programm entwickelt und die Künstler*innen ausgewählt?
Das lief eigentlich immer nach einem strengen Muster ab. Ich habe etwa ein Jahr lang geschaut, was gibt es und wen man fragen könnte. Zur Jahreshauptversammlung habe ich dann immer das nächste Programm in Umrissen vorgestellt und die Leute sich dazu äußern lassen. Das war so ein Ritual, wo es entsprechend Rückmeldungen gab und mit dem die Leute eigentlich – so mein Eindruck – ganz zufrieden waren.
Aber es gab auch Bewerbungen, oder?
Ja, es gab da einen Stapel im Posteingang, noch aus Zeiten von Petra Schäfers, den habe ich einfach weitergeführt, aber es gab da nicht viel, was mich überzeugt hat. Und eigentlich hatte ich auch nie Not, da für das Jahresprogramm noch etwas rauszuziehen – ich habe es ja noch nicht mal geschafft, meine Kontakte vom Studium aus Hannover anzufragen.
Gibt es bei Dir einen Bezug zur Kunst?
Ich habe hier in Lüneburg am Johanneum Abitur gemacht und danach in Hannover an der Fachhochschule für Kunst und Design Malerei studiert. Zurück in Lüneburg habe ich dann noch Angewandte Kulturwissenschaften studiert. Bei den Kunstfreunden in Bardowick konnte ich die Arbeiten, die ich im Nachgang meines Studiums angefertigt hatte, dann später ausstellen. Und ich habe dort auch ein bisschen das Ausstellungshandwerk gelernt.
Also das Kuratieren?
Ja, das Kuratieren. Das hatte ich bis dahin nie gemacht – vielleicht hier und da mal beratend beigestanden, aber es waren dann ja eigentlich immer die Künstler selbst, die diese Arbeit gemacht haben. Und ohne deren Hilfe wäre das alles nie möglich gewesen. Das heißt also, ich habe das Kuratieren eigentlich immer mit den Künstlern zusammen gemacht. Und obwohl wir uns jedes Mal erneut vor den Beschränkungen unserer Präsentationsorte fürchteten, lag doch ausgerechnet in diesen Herausforderungen viel wesentliches Gelingen. Und wir haben immer die Erfahrung gemacht, dass neben dem Betrachter vor allem auch das Zusammenspiel mit dem Ort der Präsentation eine Rolle spielt. Insbesondere was das Heine-Haus betrifft, bin ich nachträglich immer noch ganz verliebt in dieses Gebäude, das so entsetzlich schwierig war und sich eigentlich nicht direkt anbietet. Das war dann teilweise extrem stimmungsvoll, wenn wir bei den Eröffnungen auch noch musikalische Begleitung hatten.
Du hast gute Reden gehalten, das erinnere ich noch.
Ja, das ist lieb, dass du das sagst. In meiner Erinnerung war ich meistens völlig geschafft vom Ausstellungsaufbau und konnte dann eigentlich gar nicht mehr. Insbesondere als wir 25-jähriges Jubiläum hatten, bin ich fast irre geworden. Das war im Museum drüben und im Heine-Haus, und das war ein so großer Aufriss, aber am Ende doch ganz schön. Wir hatten ein Duo, Cello und Violine, als musikalische Begleitung. Und es war so ein Akt, die prominenten Gäste überhaupt hier unterzubringen…
Gab es dann eine Einbindung der Mitglieder? Oder warst Du eher auf Dich allein gestellt?
Es mussten ja auch die Aufsichten gemacht werden.
Stimmt, natürlich. Das waren aber auch immer die gleichen Leute. Das war Herr Dr. Czajka als Stellvertretender und Frau Niere. Und ansonsten weiß ich nicht mehr, wer noch Aufsichten gemacht hat. Aber die Leute waren eigentlich da eher schwer zu motivieren.
Hat es Dir denn trotzdem Spaß gemacht?
Ja, irgendwie war das auch immer mein Anspruch, so etwas zu machen. Klar hat mir das auch Spaß gemacht, vor allem eben mit den Künstlern zusammen zu wirken und mit ihnen über ihre Kunst und alles Mögliche zu reden. Das war schon sehr spannend und sehr schön. Aber dann immer die Verantwortung für das Gelingen zu übernehmen, die Geschichte, dass ich da eigentlich wirklich keine echte Unterstützung hatte, das hat mich sehr gestresst.
In welcher Rolle siehst Du den Kunstverein in der Stadt heute?
Wenn es dem Kunstverein gelingen könnte, seinem Publikum in diesen Zeiten der explosionsartig steigenden Informationsflut Fixpunkte für die Wahrnehmung, die sinnliche Wahrnehmung, und für die geistige Reflexion zu bieten, wäre schon sehr viel erreicht! Ich wünsche dem Kunstverein und seinen Mitarbeitern bestes Gelingen und dass Ihr weitermacht – so vorbildlich wie bisher!